Armut (k)eine Kinderkrankheit?!
Flagge zeigen für jedes Kind in Armut

Deutscher Kinderschutzbund prangert mit 2,5 Millionen Fähnchen
Kinderarmut in Deutschland an

Germersheim, 20. September 2007. Die Schere zwischen arm und reich geht weiter auseinander, mit allen negativen Folgen isbesonder für Kinder.
2,5 Millionen Kinder leben in Deutschland auf Sozialhilfeniveau und damit in Armut, allein im Kreis Germersheim sind es mehr als 2.100 Kinder. Zahlen, die vor wenigen Tagen vom Deutschen Kinderschutzbund e.V. (DKSB) veröffentlicht wurden. Zahlen, die beunruhigen sollten, von der Politik aber leider nur zur Kenntnis genommen wurden. Mit einer spektakulären Aktion will der DKSB am heutigen Weltkindertag Politik und Bevölkerung aufrütteln. Darum wurde für jedes in Armut lebende Kind im Kreis Germersheim ein Fähnchen auf dem Königsplatz in Germersheim aufgestellt, ebenso wie in vielen Städten und Kommunen – bundesweit 2,5 Millionen an der Zahl.

Von insgesamt 15 Millionen unter 18-jährigen ist jedes sechste Kind von Armut betroffen, d. h. der Lebensunterhalt wird durch Hartz-IV-Bezüge bestritten. Besonders beunruhigend findet Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, die Verdoppelung der Zahl der Betroffenen seit dem Jahr 2004. „In der Konsequenz bedeutet das für viele Kinder: erstens eine erhebliche Reduzierung ihrer Chancen auf einen guten Schulabschluss, zweitens einen mangelhaften Gesundheitszustand bedingt durch schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung. und drittens eine verminderte Förderung und Teilnahme an kulturellen Aktivitäten und Freizeitangeboten.
Hinzu kommt, dass auch das Familienleben in vielen Hartz-IV-Familien problembeladen verläuft und sich negativ auf die Entwicklung der Minderjährigen auswirkt", erläutert Hilgers die Auswirkungen der Kinderarmut. „Wir fordern die Bundesregierung auf, eine grundlegende Revision der Hartz-IV-Gesetze vorzunehmen. Die organisatorische Trennung zwischen Jugendhilfe und Sozialhilfe muss wieder aufgehoben werden. Durch Gewährung einmaliger Beihilfen für Bekleidung und Schulbedarf ist die entsprechende Versorgung sicher zu stellen. Ein weiterer großer Schritt ist die Einführung flächendeckender Angebote von kindgerechten, kostenfreien und ganztägigen Betreuungsmöglichkeiten in allen Altersgruppen“, so Heinz Hilgers. „Gern stehen wir hier beratend mit unserem Know-how zur Verfügung.“

Heute machen bundesweit 2,5 Millionen Fähnchen - davon 2.100 in Germersheim– sichtbar, was hinter vielen Haustüren in Deutschland traurige Realität ist: Kinderarmut.
Man darf die Augen im Angesicht dieser Zahlen nicht verschließen. Darum waren am heutigen Weltkindertag auch viele Unterstützer beim Fahnenstecken dabei. Auch sie sind der Meinung, dass deutliche Zeichen gegen Kinderarmut für Politik und Bevölkerung gesetzt werden müssen. 2,5 Millionen Mal.

Kinderschutzbund-Germersheim
Weltkindertag 20.09.2007